Wochenende in Kopenhagen

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Als ich vor ca. 2 Wochen sah, dass ich bis Ende des Monats noch etwas Resturlaub aus dem letzten Jahr übrig hatte, beschloss ich sofort, diesen für einen Städtetrip zu nutzen und mir eine neue Stadt anzuschauen. Ich ließ den Zufall entscheiden, indem ich die Liste bei Easy Jet mit den günstigen Flügen nach praktischen Flugzeiten durchsuchte, und ziemlich schnell war die Entscheidung auf Kopenhagen in Dänemark gefallen und der Flug für einen 3-Tagesausflug gebucht. Seit gestern bin ich nun wieder zu Hause.

Da ich das Wochenende alleine reiste, wollte ich auf jeden Fall vor Ort ein paar Leute kennenlernen. Ich dachte, dass die paar Tage auch als Vorbereitung auf meine Reise nach Südamerika ganz praktisch sein würden und suchte mir eine Bleibe über Couchsurfing. Schon mal in Kleinen ausprobieren, was ich später im Großen vorhatte… Die erste Antwort auf meine Anfragen bei CS bekam ich von Jorge, einem Argentinier, der seit ein paar Monaten in Kopenhagen wohnt. Cool! Ich war sofort begeistert, weil ich so sicher wusste, dass ich zumindest wieder Spanisch reden und die südamerikanische Lebensart selbst im Norden von Europa genießen konnte. Toll! Eigentlich war ich gleich davon überzeugt, dass es eine tolle Zeit werden würde, und genau so war es im Endeffekt auch.

Ich wurde von Jorge am späten Freitag Abend in seinem Studentenwohnheim direkt mit einem leckeren Abendessen und einem kalten Bier empfangen, zusammen mit 2 anderen Mädels aus Deutschland, die auch übers Wochenende dort übernachteten. Da Jorge insgesamt 5 Couchsurfer gleichzeitig aufgenommen hatte, wurde ich ins Zimmer von Mark „ausquartiert“, der sich gleich als total hilfsbereit und zuvorkommend herausstellte und mich mit einem nett hergerichteten Bett empfing. Kaum hatte ich meinen Handgepäckskoffer im Zimmer abgestellt, versammelten sich auch schon die meisten der 25 Bewohner des 7. Flurs in der Küche zur Party. Ich wusste gar nicht, mit wem ich mich zuerst unterhalten sollte, so sehr war ich gespannt auf die Erzählungen der vielen Gesichter um mich herum. Ich wollte wissen, was sie dort machten, woher sie kamen, und natürlich, ob sie glücklich waren.
Der Abend verging wie im Flug, aus Bier wurde erst Rum-Cola und dann Tequila – philosophische Gespräche inklusive. Zuerst lernte ich Alfredo kennen, den Bruder von Jorge, der vor etwa 1 Woche aus Buenos Aires zu ihm nach Kopenhagen gezogen war, um dort nun 8 Monate zu leben und zu arbeiten, nachdem er im letzten Jahr in Neuseeland gelebt hatte. Ich war völlig beeindruckt, als er mir auf einmal vor den Kopf warf: „Ich merke schon, du bist auch so eine reisende Seele, total interessiert und weltoffen. Wenn ich mit dir rede, hab ich mehr das Gefühl, dass du Südamerikanerin als Deutsche bist, du wirst dich bei uns bestimmt total wohlfühlen.“ Echt??? Eigentlich sprach er nur nochmal aus, was ich eh schon seit Jahren merke: In meinen Adern fließt irgendwie auch südamerikanisches Blut, ich sollte endlich meinem Herzen folgen. Spätestens als mir dann Santiago, ein Freund der beiden, nicht glaubte, dass ich keine Spanierin, sondern laut Personalausweis 100% Deutsche bin, war es so, als wenn meine innere Stimme mir sagen wollte: Hör genau hin!! Forsche nach, folge deinem Gefühl!

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Neben meiner Begeisterung für die wirklich wunderschöne Stadt (die ich trotz allem beim nächsten Mal eher im Sommer besuchen würde, da man die Plätze an den Kanälen so besser genießen kann), wurde mir dort zum ersten Mal auch bewusst, wie es mir auf meiner großen Reise ergehen kann, wenn Angst in mir aufkommt. Wie es ist, wenn man sich in einer fremden Stadt alleine fühlt und sich fragt: Was mache ich hier eigentlich? Und wo ist mein Zuhause? Wobei das ja eigentlich genau die Fragen sind, die ich mir auf meiner Reise stelle möchte.
Gleichzeitig haben mir die Tage auch gezeigt, dass man sich überall schnell zu Hause fühlen kann, wenn man sich nur öffnet. Dass es so viele verschiedene Geschichten von besonderen Menschen gibt, die alle auf ihre Art und Weise versuchen, ein glückliches Leben zu führen. Jorge, Alfredo und Santiago sind das beste Beispiel dafür, dass es klappt, wenn man einfach so beschließt, mal für ein paar Monate 12.000km von seiner Familie entfernt zu leben. In ihrem Grønjordskollegiet in Kopenhagen haben sie eine kleine neue Familie gefunden, die sie einen Teil der Lebenszeit begleitet. Und auch ich werde sicherlich auf meiner Reise Menschen kennenlernen, die mich begleiten und mir das Gefühl geben, dass auch ich nicht alleine bin, obwohl Freunde und Familie weit entfernt sind.
Mir ist vor allem auch noch einmal bewusst geworden, dass ich nicht nur den Wunsch habe, neue Länder und Orte zu entdecken, sondern wirklich einen ganz speziellen Bezug zur spanischen Sprache und all den Ländern der Hispanohablantes verspüre. Woher der kommt, das möchte ich herausfinden…

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Danke an Mark, Jorge, Alfredo, Santiago, Emil, Sanne, Jeanette, Nadine, Barbara und den Rest der Grønjordskollegiet Familie – ihr habt mich unheimlich herzlich aufgenommen und die 3 Tage zu etwas ganz Besonderem gemacht!

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